Offshore

MEILENSTEIN: KAP HOORN ERFOLGREICH UMRUNDET

Darauf hatte sich Boris Herrmann schon lange gefreut: Nach 57 Tagen, 13 Stunden und 7 Minuten auf See rundet die Seaexplorer Kap Hoorn - ohne Groß zwar und mitten in der Nacht, aber der Meilenstein ist geschafft. Nun geht's gen Norden zurück zum Startort Les Sables D'Olonne.

Boris Herrmann betonte spätestens seit dem Kap der Guten Hoffnung, dass das entscheidende Kap dieser Tour Kap Hoorn sei. Immer wieder sprach er in seinen vielen autentischen Berichten von Bord von eben diesem Meilenstein, für den er sich extra eine kleine Flasche Champagner aufgehoben hatte. Am 5. Januar 02:027 UTC war es dann endlich soweit: Boris Herrmann umrundete zum fünften Mal in seinem Leben das Kap - diesmal zum ersten Mal Solo. Mit Windböen von über 40 Knoten wurde Kap Hoorn seinem Ruf gerecht. Von Bord hieß es: "Kap Hoorn, wir sind da! Ich werde es nicht sehen, da ich zu weit südlich bin. Der Wind weht mit durchschnittlich 30 bis 40 Knoten. Ich habe nur das J3-Vorsegel gesetzt, da das Großsegel beschädigt ist. Das Meer ist weiß. Es sieht beeindruckend aus! Als ich mich Kap Horn näherte, habe ich gehalst, um bei diesem Seegang nicht zu nah an den Kontinentalschelf zu kommen. Das ist zu gefährlich, zumal ich im Moment langsam segle. Es tut weh, denn ich verliere viele Meilen, aber ich werde kämpfen und niemals aufgeben!"

Kap Hoorn - das legendäre Kap - ist einerseits die Grenze zwischen Pazifik und Atlantik aber vor allem auch der Ausgang aus dem stürmischen und völlig ungeschützten Südpolarmeer und den Beginn der Zielgeraden in geschützteren Gewässern. "Es ist ein Kap, es ist ein Fels, es ist eine Halbinsel..." und vor allem eine Herausforderung. Kap Hoorn zu umrunden ist bekanntlich keine leichte Aufgabe. Die 425 m hohe Klippe an der südlichsten Spitze Südamerikas ist oft ein Synonym für höllische Bedingungen. Für viele ist die Umrundung dennoch wie eine Erlösung, auch wenn es noch ein langer Weg bis ins Ziel ist: noch etwa 7000 Seemeilen - knapp 30 % der Gesamtdistanz - sind bis zur Ziellinie in Les Sables d'Olonne zu segeln.

Auch wenn der Großsegelriß und seine Reparatur (er musste dafür Flicken einkleben und trocken bekommen sowie das Achterliek nähen) Boris Herrmann nun vorerst zurückgeworfen haben - die Aussichten wieder nach vorne zu segeln sind da: In den letzten Wochen hat er sich sehr gut um sein Boot gekümmert, ist eher konservativ gesegelt und hat so das Boot, die Ausrüstung und die Segel so gut wie möglich geschont: "Seit dem Start habe ich mich entschieden, manchmal auch auf die Bremse zu treten, um das Material zu schonen und Bruch zu vermeiden".

Jetzt, wo die Seebedingungen kommen, in denen er das volle Potential seiner langen High-Speed-Foils ausschöpfen kann, wird es nochmal spannend werden, zumal die Zugbahn eines Tiefs, das sich gerade vor der Küste Brasiliens bildet, sehr vorteilhaft für Boris Herrmann verlaufen könnte, während die vorderen in einem Hochdruckgebiet nur langsam vornan kommen. Boris Co Skipper Will Harris erklärt das Wetterrouting in dem dritten Video unten sehr anschaulich:

Riss im Groß - Boris Herrmann segelt nur unter Fock am südlichsten Felsen Südamerikas vorbei. Film 1 - Großsegelriß - , Film 2 - ein Rückblick auf die vergangenen Woche - Film 3: Positive Aussichten: - ein Tief könnte helfen.

Fernsehstar Boris Herrmann

Die deutsche Fernsehwelt ist mittlerweile regelmäßig zu Gast an Bord der Seaexplorer. Das ZDF berichtet einmal pro Woche in einem Vendée Globe Special, und auch der NDR gibt regelmäßige Updates. Über Silvester war Boris Herrmnn zu Gast in der Silvestershow des ZDFs und am ersten Sonntag des Jahres war Boris Herrmann sogar in die Tagesthemen: (ab Minute 00:12:36 ), bzw. im NDR etwas ausführlicher:

»Bärenstarke Leistung trotz technischer Rückschläge Kap Horn gerundet zu haben. Für den Südatlantik bleiben alle Daumen fest gedrückt!«, freut sich Bendix Hügelmann, NRV-Offshore-Vorstand.

Wie immer: es bleibt spannend, wir bleiben dran!