NRV Olympic Team

NEUES VOM NRV OLYMPIC TEAM

Wir alle erleben schwierige Zeiten. Zunächst einmal wünsche wir Ihnen alles Gute in den kommenden Wochen und Monaten und insbesondere die Gelassenheit und Vorsicht, die es jetzt braucht. Auch unsere NRV Olympic Team-Segler versuchen sich auf die neue Situation einzustellen.

NRV Olympic Team Kollegen Nik Willim und Philipp Buhl © privat

Alle geplanten Regatten für die kommenden Wochen sind abgesagt, viele Olympia Ausscheidungen stehen noch aus. Wobei ich mir zur Zeit auch nicht so richtig vorstellen kann, wie man in der jetzigen Situation am 25. Juli die olympischen Spiele eröffnen möchte. Aber eine Entscheidung dazu, steht aus und die Container für die Segeljollen, Motorboote etc. müssen in den kommenden Tagen verschickt werden, wenn alles rechtzeitig in Japan ankommen soll. Nicht nur der NRV ist komplett gesperrt. Auch der Deutsche Segler Verband hat sein Bundesleistungszentrum in Kiel komplett geschlossen. Ich habe Sonntagabend länger mit unserer Kitesurferin Leonie Meyer telefoniert. Sie ist zur Zeit im Trainingslager in Neuseeland (dort gibt es bisher kaum Corona-Fälle) und ich habe ihr dringend geraten, bis auf Weiteres dort zu bleiben. Ein Großteil unserer Segler hat am vergangenen Wochenende fluchtartig Mallorca verlassen und den Weg zurück nach Deutschland angetreten. Es ist für uns alle eine große Herausforderung, nun die kommenden Wochen und Monate zu planen.

Folgend finden Sie einen Bericht von Laser-Segler Nik Willim. Der hat in der Olympiaausscheidung gegen den Weltmeister verloren und schaut schon sehr motiviert in die kommenden Jahre. Viel Freude bei der Lektüre. Bleiben Sie gesund.

"2016 war das Jahr in dem ich die Bronzemedaille bei der Junioren WM gewann. Es war dasselbe Jahr in dem ich mein Abitur absolvierte und mich daraufhin dem Leistungssport als Vollprofi verpflichtete. Nun beinahe einen Olympiazyklus später habe ich einen Weg hinter mir, der mir doch einiges abverlangte. 2017 erlitt ich eine schwerwiegende Knieverletzung, welche ein gesamtes Jahr an Rehabilitationsarbeit kostete. 2018 litt ich unter immer wiederkehrenden Erkältungen, welche letztendlich erst mit einer Kieferhöhlenoperation behoben wurden. 2019, vier Monate vor der letzten Olympiaaussscheidung, ereignete sich der bereits berichtete Verkehrsunfall. So gesehen musste ich über viele Steine klettern und Umwege gehen, die so sicherlich nicht eingeplant waren. Doch am Ende zählt weder das Durchhaltevermögen, noch fragt mich jemand, wie oft ich wieder aufgestanden bin. Es zählen allein die Ergebnisse auf dem Wasser.

Mit viel Zuversicht und Freude schaut Nik in die Zukunft © privat

In Summe der drei angesetzten Qualifikationswettkämpfe für die Teilnahme an den olympischen Spielen 2020 in Tokio gehe ich nun als zweitbester Sportler hervor. Zweitbester Athlet Deutschlands in einer olympischen Disziplin hört sich erst einmal gut, bringt mir für die Teilnahme an den Olympischen Spielen jedoch nichts, denn es wird pro Bootsklasse nur einer/eine geschickt. Wären die letzten Jahren gradliniger verlaufen, so behaupte ich nun frei heraus, wäre ich von der Weltspitze nicht weit entfernt, bzw. Teil von ihr. Aber auch wenn dies so eingetreten wäre, wäre es noch immer kein Garant für eine erfolgreiche Qualifikation gewesen, denn mein Trainingspartner Philipp Buhl ist in der vergangenen Woche nichts weniger als Weltmeister geworden. Wie die meisten von euch wissen, bin ich ein sehr ehrgeiziger Mensch und somit ist mir auch das Wort Neid nicht vollkommen fremd. Trotzdem gönne ich Philipp diesen Sieg von ganzem Herzen. Ich bin einer der wenigen, die wirklich wissen, wie hart er dafür gearbeitet und was er geopfert hat. Im Moment ist er der richtige Kandidat für Tokio und ich werde in den folgenden Monaten alles dafür tun, dass seine Teilnahme, nicht nur eine Teilnahme bleibt.

Der Segelsport ist eine extrem kostenintensive Sportart und auch wenn ich das Glück hatte, durch meine frühen Erfolge in ein sehr gutes Fördersystem des Deutschen Segler Verbandes hinein zu rutschen, so ist dies trotzdem nicht ausreichend, um eine erfolgreiche Kampagne durchzuführen. So gesehen weiß ich jeden einzelnen Euro zu schätzen, den ich vom NRV Olympic Team und seinen Partnern bekommen habe. Mir war und ist bewusst, dass dieses Geld nicht vom Himmel gefallen ist, sondern erarbeitet wurde und uns zur Verfügung gestellt wird. Danke dafür und auch für alles andere was ihr für uns tut!

Und was meine Zukunft im Segelsport angeht. Ich habe so viel gelernt in den vergangenen Jahren, seglerisch, athletisch und mental. Ich habe bereits gezeigt, dass ich das Zeug habe, ganz vorne mitzuspielen – nun heißt es sich in der Weltspitze zu etablieren. Ich freue mich auf die kommenden Jahre."