Offshore

Vendée Globe: "Nahezu zusammengefaltet" - Erfolgreiche Rettungsaktion nach Untergang der in zwei Teile gebrochenen PRB

Der Segelkrimi Vendée Globe geht weiter. Dramatische Ereignisse prägten die vergangene Vendée Globe Woche: Erst das Drama um das Ausscheiden von Alex Thomson, dann die existentielle Sorge um den in Seenot geratenen Franzosen Kevin Escoffier, die nächtliche Suche nach ihm und seine Rettung, dann das Verarbeiten des Unglücks und schon gleich der nächste Schaden mit Wassereinbruch bei Sébastien Simon und noch ein Zusammenstoß mit bisher unbekannten Ausmaß bei Sam Davies. Die Liste der Hiobsbotschaften reist nicht ab. Bei Boris Herrmann kommt noch ein kaputtes Fallschluss hinzu, weswegen er in den Mast müsste, aufgrund von Wind und Seegang aber nicht kann. Nach 24 Tagen Vendée Globe ist viel auf dem Weg einmal um die Erde passiert - das Feld der nur noch 31 Imocas ist mittlerweile weit auseinandergezogen. Platz 1 - Charlie Dalin-und 31 -Jérémie Beyou trennen fast 4000 Seemeilen.

Boris Herrmann hat heute in den frühen Morgenstunden das Kap der guten Hoffnung, bzw. dessen Längengrad, passiert. Ein Meilenstein, weil es das erste der drei zu umrunden Caps ist und damit auch knapp das erste Drittel der Vendee Globe hinter Boris Herrmann liegt. Jetzt ist er im indischen Ozean unterwegs und hat die nächste Sturmnacht vor sich. Hinter ihm liegen aufregenden Tage.

Den Anfang machte die Nachricht von einem Ruderschaden an Alex Thomsons 'Boss'. Just nachdem er unter höchster Kraftanstrengung seine strukturellen Schäden im Bugbereich über mehrere Tage repariert und stabilisiert hatte und stolz ins Rennen zurückgekehrt war, musste er den Bruch seines Steuerbord-Ruders vermelden. Die traurige Nachricht kam am nächsten Tage: Aus für Thomson, der Schaden nicht reparabel. Es war sein fünfter Anlauf, diesmal als Toptoptop Favorit. "I feel pretty broken..." erklärt Alex Thomson nach ein paar Tagen von Bord der Boss auf dem Weg nach Kapstadt.

Boris Herrmann hat derweil Probleme mit seinen Fallschlössern an den Vorsegeln - ein erstes Mal war er schon im Mast, ein zweites Mal muss folgen, was aber angesichts der derzeitigen Wellen und Windsituation nicht möglich ist.

Die aufregendste Nachricht kam im Laufe des Montags, 30. November von Bord der PRB: "Ich sinke. Keine Witz. Mayday." Das Team von Boris Herrmann fasst die Situation so zusammen: "In nur zwei Minuten spielte sich alles ab. Kevin Escoffier (PRB) hatte gerade noch Zeit, das Ausmaß der Schäden wahrzunehmen, bevor er seinem Team eine äußerst alarmierende Nachricht zukommen ließ: "Ich sinke, das ist kein Witz. MAYDAY". Im Überlebensanzug ist er ins Wasser gesprungen und dann in die Rettungsinsel gestiegen, bevor er mehrere hundert Seemeilen vor dem Kap der Guten Hoffnung sein Boot sinken sah...

Der Skipper erklärte später, dass sich die PRB in einer Welle bei 27 Knoten im wahrsten Sinne des Wortes zusammengefaltet hatte. Das Heck war unter Wasser und die Bugsektion zeigte zum Himmel, bevor das Boot vor dem Mastschott in zwei Teile brach. Der Skipper wurde elf Stunden lang in tosender See bei 35 Knoten Wind herumgeworfen und schließlich mitten in der Nacht vom Ältesten des Rennens, Jean Le Cam, gerettet. - Bei der Suche mitgeholfen hatten Sébastien Simon (Arkea Paprec), Yannick Bestaven (Maître Coq IV) und eben auch Boris Herrmann (Seaexplorer - Yacht Club de Monaco)."

Das Drama dabei war auch, dass Jean Le Cam den Schiffbrüchigen gleich zu Beginn schon gesichtet hatte, bei den rauen Bedingungen von 3 bis 4 Meter Welle und viel Wind aber nochmal abdrehen musste und ihn dabei verlor.

Boris Herrmann berichtet am nächsten Tag von der Suchaktion:

Kevin Escoffier berichtet hier über seine Rettung - später wird auch Boris Herrmann interviewt:


Spätestens seit dem Drama um Kevin Escoffier spricht gefühlt ganz Deutschland über die Vendée Globe.

Und die Schadenserie geht weiter. Heute früh meldet Sébastien Simon - gerade noch an der erfolgreichen Suche nach Kevin Escoffier beteiligt- einen Zusammenstoß mit einem UFO und einen heftigen Schaden am Steuerbord-Foil inklusive Schwertkasten. Das Boot macht Wasser. Angesichts des herannahenden Tiefs versucht er in erster Linie vom Kern wegzusegeln und das Boot zu sichern:

Und am Abend kommt die nächste Kollisionsmeldung - diesmal von Sam Davies:

"At 1900 UTC Sam Davies (Initiatives Cœur) informed her team that she hit an unidentified object. She is slowly heading north and is inspecting her boat to assess damages. Sam is safe and uninjured."

NRV Offshore-Vorstand Bendix Hügelmann stimmt das nachdenklich: „Bedenkt man, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist, überhaupt auf einen Gegenstand zu treffen, ist es schon bemerkenswert wie stark die Vendée Flotte mit Treibgut und anderen Gegenständen im Wasser zu kämpfen hat."

'A Race We Must Win' heißt der Titel der Ocean Challenge, die Boris Herrmann mit seinem Rennen um die Welt trägt. Ob die vielen Kollisionen ein Fingerzeig, oder ein Zufall sind, werden die Segler uns vielleicht nach dem Rennen berichten können. Jetzt stecken sie mittendrin.

Mittendrin auf dem Weg Richtung Kerguelen. Im Gegensatz zu dem uneindeutigen Routing zum ersten Kap, sind sich die Wetterroutings diesmal eher einig:




Es bleibt also auch weiterhin spannend – wir bleiben dran!

Und wie gesagt: Am besten Boris Herrmanns Youtube Kanal abonnieren - da gibt es täglich News; wir bringen spätestens nächste Woche ein Zusammenfassung und zwischen regelmäßige kurze Updates.