Jannes Llull gewinnt bei seinem ersten Solorennen die Proto-Wertung des Massilia Offshore Cup. Nach 377 Seemeilen von Marseille nach Barcelona und zurück erreichte das NRV Mitglied mit seinem Mini 650 Proto „Mr. Brightside“ das Ziel zugleich als dritter Mini des gesamten Feldes.

Bis kurz vor Marseille lag Jannes sogar auf dem zweiten Gesamtrang. Erst rund 20 Seemeilen vor der französischen Küste brach der Wind ein. Ein Konkurrent konnte sich mit seinem größeren Gennaker in der Flaute langsam vorbeiarbeiten und trieb nach einem einstündigen Duell auf den letzten 300 Metern etwa drei Minuten vor Jannes über die Ziellinie.

„Das Ergebnis hat meine Erwartungen übertroffen. Ich war während des gesamten Rennens sehr fokussiert, wirklich im Flow, und konnte mich gut behaupten – auch dank der Monate Training in ähnlichen Bedingungen, die mich abgehärtet haben“, sagt Jannes.

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Ein Bericht von Jannes Llull:

Der Massilia Offshore Cup war mein erstes echtes Solorennen auf meinem Mini 650 Proto Nr. 419 „Mr. Brightside“. Gestartet sind wir am 21. Juni in Marseille. Der Kurs führte über einen Wegpunkt im Golf du Lion nach Barcelona und zurück durch ein Gate auf Höhe von Palamós. Insgesamt waren es 377 Seemeilen. Ursprünglich waren 500 Seemeilen geplant, wegen der schwachen Windvorhersage wurde die Strecke jedoch verkürzt.

Das Feld war breit aufgestellt: IRC- und ORC-Boote, Class 40, Class 30 sowie die Mini-Klassen Serie und Proto, jeweils solo und doublehanded. Insgesamt waren 18 Minis dabei. Während die Duo-Wertungen und alle anderen Klassen einen Zwischenstopp in Barcelona einlegten, segelten die Solo-Teilnehmer der Mini 650 die gesamte Strecke nonstop.

Die Vorbereitung verlief routiniert. Den Sicherheitscheck hatte ich bereits bei der Roma per Due absolviert. Kurz vor dem Start in Marseille holte ich noch meine vom Lenz-Regaport organisierte Rettungsinsel bei Hero ab. Für das Wetterrouting sorgte Offwatch Labs. Das Team erstellte für das gesamte Trainingscenter in Marseille ein detailliertes Roadbook und ging die Taktik mit uns im Briefing vor dem Start durch.

Anders als bei der Roma per Due oder meinem Qualifikationstörn über 1000 Seemeilen war ich diesmal erstmals wirklich im Rennmodus unterwegs. Der Fokus lag von Anfang an auf Bootsgeschwindigkeit und Taktik.

Die Bedingungen blieben durchgehend anspruchsvoll. Bei leichtem und instabilem Wind zwischen drei und sechs Knoten musste ich ständig auf Dreher und Böen reagieren. Geschlafen habe ich während des gesamten Rennens nur in Etappen von 15 bis 20 Minuten.

Einer der intensivsten Momente ereignete sich am zweiten Tag vor der spanischen Küste. Bei dichtem Nebel betrug die Sicht nur 15 bis 20 Meter. Unter Spinnaker war ich mit sechs bis sieben Knoten unterwegs – einer der wenigen Abschnitte mit etwas mehr Wind.

Plötzlich tauchte rund 20 Meter vor mir ein Fischerboot mit ausgebrachtem Schleppnetz auf. Für weitere Segelmanöver blieb keine Zeit. Mit einer spontanen Halse konnte ich die brenzlige Situation vermeiden.

In der dritten Nacht herrschte fast vollständige Flaute. Am Wendepunkt vor Barcelona zeigte sich am vierten Tag, dass ich zu diesem Zeitpunkt auf Platz vier der Gesamtwertung und an der Spitze der Proto-Wertung lag.

Auf dem Rückweg baute sich am Abend eine kleine Brise auf, die ich besser nutzen konnte als einige Konkurrenten. Damit rückte ich auf Platz zwei vor. In der folgenden Nacht entwickelte sich bei zwölf bis 17 Knoten Wind ein intensives Duell mit einem Serienboot. Über mehr als 150 Seemeilen lagen wir konstant nur zwei bis fünf Seemeilen auseinander. Die Kurse wechselten zwischen Reaching und Downwind.

Rund 20 Seemeilen vor der französischen Küste brach der Wind am fünften Tag abrupt weg. Mein Konkurrent konnte sich mit einem größeren Gennaker in der Flaute allmählich vorbeiarbeiten.

Der Zieleinlauf in Marseille wurde zur Geduldsprobe. Bei vollständig eingeschlafenem Wind dauerten die letzten 300 Meter rund eine Stunde. Beide Boote lagen auf gleicher Höhe und trieben langsam auf die Ziellinie zu. Mein Konkurrent erreichte sie schließlich etwa drei Minuten vor mir.

Um meine Position zu halten, hatte ich die letzten 36 Stunden fast vollständig durchgesegelt und nicht mehr geschlafen.

Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Auch „Mr. Brightside“ hat gezeigt, was in dem Boot steckt: Obwohl der Proto bereits 23 Jahre alt ist, konnte ich mit neuen Serienbooten mithalten. Technische Ausfälle gab es keine.

Neben dem sportlichen Ergebnis nehme ich viele neue Kontakte und die gute Stimmung im Race Village mit. Für „Mr. Brightside“ beginnt nun das nächste Kapitel der Vorbereitung. Nach einer kurzen Pause geht es nach La Turballe, an den neuen Trainingsstützpunkt der Kampagne. Dort stehen weitere Trainingseinheiten sowie Arbeiten und Optimierungen am Boot an.

Im September folgen die nächsten Regatten. Dazu gehört die Duo Concarneau, die ich gemeinsam mit meiner Co-Skipperin Juliane Hausmann segeln werde.